Bunter Mix der Subkulturen in der Neustadt

Veröffentlicht auf von clemens

Es ist das hippeste, das flippigste, das trendigste, außerdem das jüngste und obendrein das bunteste Viertel Dresdens. Wenn es um die Neustadt geht, überschlagen sich Marketing-Mannschaften und dichten Broschüren voller Lob über das Kultur-Paket, das alle Besucher erwartet, die sich auf Erkundungstour in den Straßen jenseits des Albertplatzes begeben. Zufrieden sind damit auch die Bewohner der Neustadt: Bei der Stadtteilumfrage bewerten sie das singende, klingende, ernsthafte bis heitere Angebot in ihrem Revier mit der Note1,9 und küren das Viertel zum klaren Spitzenreiter in dieser Kategorie.
Verwunderlich ist das Ergebnis nicht. Dresden war und ist eine Stadt, die sich Kultur zum Zugpferd erkoren hat. Beständig strickt man an neuen Maschen im Programm, so dicht wie in der Neustadt ist das Netz aber in keinem anderen Viertel. Auf einer übersichtlichen Fläche drängeln sich in der Neustadt genau zehnTheater, vier Kinos, eine Bibliothek, zehn Museen und 41Einrichtungen für Jugendliche. Hinzu kommen unzählige Keller, in denen Bands proben, Kneipen, in denen Künstler performen, Vereine, die sich um die kleinen und großen Fußnoten der Kultur bemühen.
Und dabei sah vor reichlich hundert Jahren nichts nach einem Vergnügungspark für alle Sinne aus. Um 1900 zählte das Meldeamt für die Neustadt gerade einmal 9000Köpfe. Der Anteil an Arbeiterfamilien war gering, die meisten Einwohner hatten den Akademiker- oder Beamtenstatus. Industrie gab es wenig, nur einige Handwerksbetriebe verdienten sich hier ihren Lebensunterhalt. Ein Nährboden für Kultur existierte, die passenden Angebote jedoch kamen erst viele Jahrzehnte später hinzu.
Heute ist die Neustadt zum lebhaften Dreh- und Angelpunkt verschiedenster Szenen geworden. Der Stadtteil ist ein Platz geworden, in dem sich die Obergattung Kultur in mannigfaltige Subkulturen aufsplittet. Die Impulse für Aktionen sind oft hausgemacht. Bestes Beispiel ist die Bunte Republik Neustadt, das jährliche Stadtteilfest, bei dem sich Kultur zum Kult gemausert hat. Erdacht wurde die erste Auflage kurz nach der Wende an den Küchentischen einiger Bewohner, gemacht wurde sie auf den Straßen und Plätzen vor ihren Türen. Leitfäden im Programm gab es keine, außer: Alle dürfen alles.
Punks grölten bärbeißige Lieder, daneben verkauften Studenten Erdbeerkuchen und Holunderbrause, zwischen Verstärkern und Saftpressen krabbelten Halbwüchsige umher. Kreativität ist die oberste Prämisse – bis heute. Die Bunte Republik ist gewachsen, so groß geworden, dass es inzwischen ein Museum gibt, das die Geschichte des Festes zusammenfasst. Der Erfolg der Bunten Republik liegt im Rezept und das setzt auf Hausgemachtes, auf alles, was die Bewohner des Viertels unter Kultur verstehen und darauf, dass dies jeder Neustädter ein bisschen anders interpretiert.

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Veröffentlicht in Dresden

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